Das Altarbild
Predigt von Göte Hedenquist

Auszug aus der Predigt von Göte Hedenquist, gehalten am Ostermontag des Jahres 1971

Liebe Gemeinde! Das Altarbild, das wir heute in unserem Kirchensaal sehen, will uns an die Offenbarung in Emmaus erinnern, da die Augen der Jünger geöffnet wurden und da sie ihren Herrn und Meister erkannten. Für viele von Euch ist dieses Bild vielleicht nur ein schönes Bild aus dem Leben Jesu und seiner ersten Jünger. Aber für einige, die heute hier sind, ist es in besonderer Weise ein heiliges Bild... Viele Menschen haben — mitten in der schweren Verfolgungszeit — vor diesem Altarbild hier in diesem Kirchensaal zum erstenmal ihren Messias gefunden und ihre Hoffnung erfüllt gesehen. Hier wurden ihre Augen geöffnet. Andere haben vor diesem Bild dieselbe Gewißheit wie die Emmausjünger erleben dürfen: nämlich, daß ihr leidender Erlöser in Wahrheit auferstanden ist und daß er immer noch lebt. Und sie wurden auch darin gewiß, daß er ewiges Leben geben kann, das verbleibt, wenn auch das irdische Leben bald enden sollte. Viele haben in unserem Kirchensaal ihren letzten Gottesdienst vor der Deportation ins Konzentrationslager gefeiert, und er hat ihnen Trost, Kraft und Zuversicht gegeben, daß der Tod nicht das Letzte ist, sondern daß "Christus lebt, und wir werden auch leben”.
Das Altarbild wurde vor 20 Jahren, 1941, nach Schweden gerettet, wo es in unserem Missionsheim in Stockholm hing und den Tag erwartete, da es wieder an seinen Platz hier im Kirchensaal in der Seegasse aufgesetzt werden sollte. Und jetzt ist es hier! Wir danken Gott dafür, daß er dies möglich gemacht hat.
Aber jetzt will das Bild uns nicht nur an die Vergangenheit erinnern. Es will aufs neue eine Predigt für die Zukunft sein. Es erzählt von Israels Hoffnung, die in Erfüllung gegangen ist. Aber es erzählt auch von der Herrlichkeit Christi, wie sie sich im Herzen eines jeden offenbart, der so lange in seiner Gesellschaft und in seiner Nähe bleibt, bis “das Herz in ihm brennt” und die Augen geöffnet werden, so daß er den auferstandenen, den verherrlichten, den lebenden Christus erkennt.
In der Hoffnung, daß unser altes Altarbild ein Zeugnis und eine predigt über “ein Licht, zu erleuchten die Heiden” und “Zum Preis deines Volkes Israel" sein wird, so daß es die Augen vieler öffnet, und in der Gewißheit, daß wir alle, die wir uns Christen nennen, mitwirken wollen, um die Botschaft des Evangeliums dem alten Bundesvolk Israel und allen Menschen zu bringen, das Evangelium vom auferstandenen Herrn, schließe ich meine Predigt an diesem Ostermontag damit, daß ich der Messiaskapelle in Wien und unserer Gemeinde in der Seegasse das Altarbild über die Emmausjünger wiedergebe —
im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
 

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